1. Sonntag nach Pfingsten

Missa 'Domine In Tua Misericordia'

Farbe grün

 

Da auf diesen Sonntag das Fest der heiligsten Dreifaltigkeit fällt, wird diese Messe nie am Sonntag selbst genommen, wohl aber an den festfreien Tagen der sich anschließenden Woche. Wir versammeln uns um den Altar, um uns zu freuen ob des uns gewordenen Heiles und dem Herrn dafür zu danken (Intr.). Unser Dank soll vor allem im Werke der Liebe zu Gott und zum Nächsten bestehen (Epistola, Evang.): denn in der Liebe bewährt sich der zum neuen Leben auferstandene Mensch, der Getaufte, Christi Geist im Christen. – Im hl. Opfer werden wir mit Christus, unsrer Opfergabe, und durch ihn in heiliger Liebe miteinander (Kirche) und mit Gott verbunden und erhalten in der hl. Kommunion den großen Erweis der Liebe Gottes (Comm.).

 

Introitus (Ps. 12, 6)

Domine, in tua misericordia speravi: exsultavit cor meum in salutari tuo: cantabo Domino, qui bona tribuit mihi. (Ps. Ibid. 1) Usquequo, Domine, oblivisceris me in finem? usquequo avertis faciem tuam a me?

V Gloria Patri, et Filio, et Spiritui Sancto. Sicut erat in principio, et nunc, et semper, et in sæcula sæculorum. Amen. – Domine, in tua misericordia (usque ad Ps.).

O Herr, auf Dein Erbarmen hoffe ich; mein Herz frohlockt ob Deiner Hilfe. Dem Herrn will ich singen, der mir Gutes getan. (Ps. ebd. 1) Wie lange noch, o Herr, vergissest Du mich ganz? wie lange wendest Du noch ab Dein Angesicht von mir?

V Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste. Wie es war im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen. – O Herr, auf Dein Erbarmen (bis zum Ps.).

 

Oratio

Deus, in te sperantium fortitudo, adesto propitius invocationibus nostris: et, quia sine te nihil potest mortalis infirmitas, præsta auxilium gratiæ tuæ; ut, in exsequendis mandatis tuis, et voluntate tibi et actione placeamus. Per Dominum nostrum Jesum Christum, Filium tuum: Qui tecum vivit et regnat in unitate Spiritus Sancti Deus: per omnia sæcula sæculorum. Amen.

Gott, Du Stärke derer, die auf Dich hoffen, sei gnädig unsrem Flehen zugegen; und weil ohne Dich die menschliche Schwachheit nichts vermag, so schenke uns den Beistand Deiner Gnade, damit wir bei der Erfüllung Deiner Gebote durch unser Wollen und Handeln Dir gefallen. Durch unsern Herrn Jesus Christus, Deinen Sohn, der mit Dir lebt und herrscht in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Epistola (1 Jo. 4, 8-21)

Lectio Epistolæ beati Joannis Apostoli. Carissimi: Deus caritas est. In hoc apparuit caritas Dei in nobis, quoniam Filium suum unigenitum misit Deus in mundum, ut vivamus per eum. In hoc est caritas: non quasi nos dilexerimus Deum, sed quoniam ipse prior dilexit nos, et misit Filium suum propitiationem pro pecatis nostris. Carissimi, si sic Deus dilexit nos: et nos debemus alterutrum diligere. Deum nemo vidit umquam. Si diligamus invicem, Deus in nobis manet, et caritas ejus in nobis perfecta est. In hoc cognoscimus, quoniam in eo manemus et ipse in nobis: quoniam de Spiritu suo dedit nobis. Et nos vidimus et testificamur, quoniam Pater misit Filium suum Salvatorem mundi. Quisquis confessus fuerit, quoniam Jesus est Filius Dei, Deus in eo manet et ipse in Deo. Et nos cognovimus et credidimus caritati, quam habet Deus in nobis. Deus caritas est: et qui manet in caritate, in Deo manet et Deus in eo. In hoc perfecta est caritas Dei nobiscum, ut fiduciam habeamus in die judicii: quia, sicut ille est, et nos sumus in hoc mundo. Timor non est in caritate: sed perfecta caritas foras mittit timorem, quoniam timor pœnam habet. Qui autem timet, non est perfectus in caritate. Nos ergo diligamus Deum, quoniam Deus prior dilexit nos. Si quis dixerit, quoniam diligo Deum, et fratrem suum oderit, mendax est. Qui enim non diligit fratrem suum, quem videt, Deum, quem non videt, quomodo potest diligere? Et hoc mandatum habemus a Deo: ut, qui diligit Deum, diligat et fratrem suum.

Geliebte! Gott ist die Liebe. Darin hat sich die Liebe Gottes zu uns gezeigt, daß Gott Seinen eingeborenen Sohn in die Welt sandte, damit wir durch Ihn leben. Darin besteht die Liebe, nicht daß wir Gott geliebt, sondern, daß Er uns zuerst geliebt (Gott ist die Quelle aller Liebe) und Seinen Sohn als Sühnopfer gesandt hat für unsre Sünden. Geliebte, wenn Gott uns so sehr geliebt hat, müssen auch wir einander lieben. Keiner hat Gott je gesehen. Wenn wir aber einander lieben, so bleibt Gott in uns, und Seine Liebe ist in uns vollkommen. Daran erkennen wir, daß wir in Ihm bleiben und Er in uns, daß Er uns von Seinem Geiste mitgeteilt hat. Wir haben es geschaut und bezeugen es, daß der Vater Seinen Sohn als Erlöser der Welt gesandt hat. In jedem, der bekennt, daß Jesus der Sohn Gottes ist, bleibt Gott, und er in Gott. Wir haben erkannt und an die Liebe geglaubt, die Gott zu uns trägt. Gott ist die Liebe. Wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott in ihm. Darin kommt die Liebe Gottes unter uns zur Vollendung, daß wir Zuversicht haben am Tage des Gerichtes; denn wie Jener [Christus] ist, so sind auch wir in dieser Welt. Furcht verträgt sich nicht mit Liebe; die vollkommene Liebe vertreibt vielmehr die Furcht, weil die Furcht es mit der Strafe zu tun hat. Wer fürchtet, ist nicht vollkommen in der Liebe. Wir wollen also Gott lieben, weil Gott uns zuerst geliebt hat. Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott, haßt aber seinen Bruder, so ist er ein Lügner. Denn wie kann einer Gott lieben, den er nicht sieht, wenn er seinen Bruder nicht liebt, den er sieht? Dieses Gebot aber haben wir von Gott: wer Gott liebt, soll auch seinen Bruder lieben.

 

Graduale (Ps. 40, 5 u. 2)

Ego dixi: Domine, miserere mei: sana animam meam, quia peccavi tibi. V Beatus, qui intelligit super egenum et pauperem: in die mala liberabit eum Dominus.

Alleluja, alleluja. V (Ps. 5, 2) Verba mea auribus percipe, Domine: intellige clamorem meum. Alleluja.

Ich bitte: Herr, erbarm Dich meiner, heil meine Seele; ich hab gegen Dich gesündigt. V Wohl dem, der Mitgefühl hat mit dem Dürftigen und Armen; am Unglückstag wird ihn der Herr befreien.

Alleluja, alleluja. V (Ps. 5,2) Höre meine Worte, o Herr; vernimm mein Rufen. Alleluja.

 

Evangelium (Luc. 6, 36-42)

Sequentia sancti Evangelii secundum Lucam. In illo tempore: Dixit Jesus discipulis suis: Estote misericordes, sicut et Pater vester misericors est. Nolite judicare et non judicabimini: nolite condemnare, et non condemnabimini. Dimittite, et dimittemini. Date, et dabitur vobis: mensuram bonam et confertam et coagitatam et supereffluentem dabunt in sinum vestrum. Eadem quippe mensura, qua mensi fueritis, remetietur vobis. Dicebat autem illis et similitudinem: Numquid potest cæcus cæcum ducere? nonne ambo in foveam cadunt? Non est discipulus super magistrum: perfectus autem omnis erit, si sit sicut magister ejus. Quid autem vides festucam in oculo fratris tui, trabem autem, quæ in oculo tuo est, non consideras? Aut quomodo potes dicere fratri tuo: Frater, sine, ejiciam festucam de oculo tuo: ipse in oculo tuo trabem non videns? Hypocrita, ejice primum trabem de oculo tuo: et tunc perspicies, ut educas festucam de oculo fratris tui.

In jener Zeit sprach Jesus zu Seinen Jüngern: «Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Richtet nicht [übereilt, lieblos], so werdet ihr nicht gerichtet werden; verdammet nicht, so werdet ihr nicht verdammt werden; vergebet, so wird euch vergeben werden. Gebet, so wird euch gegeben werden; ein gutes, eingedrücktes, gerütteltes und aufgehäuftes Maß wird man euch in den Schoß geben; denn mit dem gleichen Maße, womit ihr messet, wird euch wieder gemessen werden.» Er trug ihnen auch ein Gleichnis vor: «Kann wohl ein Blinder einen Blinden führen? Fallen nicht beide in die Grube? Der Jünger steht nicht über dem Meister; erst wenn er vollkommen ist, ist er wie sein Meister. Was siehst du den Splitter im Auge deines Bruders und den Balken in deinem Auge siehst du nicht? Oder wie kannst du zu deinem Bruder sagen: „Bruder, laß mich den Splitter aus deinem Auge ziehen“, während du den Balken in deinem Auge nicht siehst? Heuchler, zieh vorher den Balken aus deinem Auge, dann kannst du sehen, wie du den Splitter aus dem Auge deines Bruders ziehst.»

 

Offertorium (Ps. 5, 3-4)

Intende voci orationis meæ, Rex meus et Deus meus: quoniam ad te orabo, Domine.

Hab acht auf meiner Stimme Flehen, Du mein König und mein Gott; ich richte mein Gebet an Dich, o Herr.

 

Secreta

Hostias nostras, quæsumus, Domine, tibi dicatas placatus assume: et ad perpetuum nobis tribue provenire subsidium. Per Dominum nostrum Jesum Christum, Filium tuum: Qui tecum vivit et regnat in unitate Spiritus Sancti Deus: per omnia sæcula sæculorum. Amen.

Wir bitten Dich, o Herr: nimm gnädig an unsre Opfergaben, die wir Dir weihen, und laß sie uns zur steten Hilfe gereichen. Durch unsern Herrn Jesus Christus, Deinen Sohn, der mit Dir lebt und herrscht in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Gewöhnliche Praefatio

Vere dignum et justum est, æquum et salutare, nos tibi semper et ubique gratias agere: Domine sancte, Pater omnipotens, æterne Deus: per Christum, Dominum nostrum. Per quem majestatem tuam laudant Angeli, adorant Dominationes, tremunt Potestates. Cæli cælorumque Virtutes ac beata Seraphim socia exsultatione concelebrant. Cum quibus et nostras voces ut admitti jubeas, deprecamur, supplici confessione dicentes:

Es ist in Wahrheit würdig und recht, billig und heilsam, Dir immer und überall dankzusagen, heiliger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott: durch Christus, unsern Herrn. Durch Ihn loben die Engel Deine Majestät, die Herrschaften beten sie an, die Mächte verehren sie zitternd. Die Himmel und die himmlischen Kräfte und die seligen Seraphim feiern sie jubelnd im Chore. Mit ihnen laß, so flehen wir, auch uns einstimmen und voll Ehrfurcht bekennen:

Sanctus, Sanctus, Sanctus Dominus, Deus Sabaoth. Pleni sunt cæli et terra gloria tua. Hosanna in excelsis. Benedictus, qui venit in nomine Domini. Hosanna in excelsis.

Heilig, Heilig, Heilig, Herr, Gott der Heerscharen. Himmel und Erde sind erfüllt von Deiner Herrlichkeit. Hosanna in der Höhe! Hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe!

 

Communio (Ps. 9, 2-3)

Narrabo omnia mirabilia tua: lætabor et exsultabo in te: psallam nomini tuo, Altissime.

Verkünden will ich alle Deine Wundertaten; ich will mich freuen und in Dir frohlocken; ich will lobsingen Deinem Namen, Allerhöchster.

 

Postcommunio

Tantis, Domine, repleti muneribus: præsta, quæsumus; ut et salutaria dona capiamus, et a tua numquam laude cessemus. Per Dominum nostrum Jesum Christum, Filium tuum: Qui tecum vivit et regnat in unitate Spiritus Sancti Deus: per omnia sæcula sæculorum. Amen.

Mit so großen Gaben gesättigt, bitten wir Dich, o Herr: gib, daß wir diese heilbringenden Geschenke in uns festhalten und nie von Deinem Lobe ablassen. Durch unsern Herrn Jesus Christus, Deinen Sohn, der mit Dir lebt und herrscht in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.